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Offener Brief zum Covid-19 Fall in Schönberg

Sehr geehrte Frau Landrätin Frau Weiss.

Am Freitag habe ich mich mittags mit meinem Amtskollegen, Herrn Bürgermeister Gunnar Koech, in Ratzeburg getroffen. Wir haben uns abgestimmt, wie wir den Lückenschluss des Radwegenetzes länderübergreifend umsetzen können, welche Möglichkeiten gemeinsamer touristischer Entwicklung bestehen und wie wir unser diesjähriges 30. Jubiläum zur Städtepartnerschaft unter Beachtung beider Landesverordnungen zur Corona-Pandemie begehen.
Am Ende unseres Gespräches fragte der Presse- und Öffentlichkeitsmitarbeiter unserer Partnerstadt, wie ich der Situation des positiv getesteten Schülers an unserer Schule begegne. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Informationen, dass in unserer Stadt ein Fall dokumentiert wurde. Kein schönes Bild in der Aussendarstellung und schon gar kein gutes Gefühl für mich in meiner Funktion als Bürgermeister!

Kurze Zeit später habe ich aus der lokalen Presse und Ihrer Veröffentlichung in den sozialen Netzwerken von dem Vorfall erfahren. Es ist gut und wichtig, unsere Bürgerinnen und Bürger rechtzeitig und umfassend zu informieren. Ich bin mir sicher, dass Sie und Ihre Mitarbeiter kompetent und engagiert für alle Bürgerinnen und Bürger des Landkreises arbeiten, um unnötige Panik zu vermeiden und Sicherheit zu gewährleisten.

Vielleicht ist es Ihnen aber zukünftig möglich, den Bürgermeister vorher zu informieren?
Denn viele besorgte Eltern und Bürger unserer Stadt Schönberg haben sich via Telefon, Messenger, Email und sozialen Netzwerken an mich gewandt.
Dies waren unter anderem Familien, welche selbst derzeit Kinder aus unterschiedlichen Schulen mit Erkältungssymptomen betreuen und verständlicherweise nunmehr deutlich besorgt
sind. Die Familien berichteten klar, dass unsere lokalen Arztpraxen am Freitag bereits geschlossen hatten, dass das Bürgertelefon des Gesundheitsamtes außerhalb der Sprechzeiten nicht erreichbar war, ebenso wenig der kassenärztliche Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116117, und dass das Testzentrum im Sanaklinikum in Wismar nur am Dienstag und Donnerstag zur Verfügung stünde.

Natürlich habe ich auf Ihre Stellungnahme in der lokalen Presse verwiesen und bestätigt, dass der Kreis die Lage im Griff habe. Allerdings häufen sich Fragen, bei denen die derzeitigen Informationen nicht mehr ausreichend erscheinen und sich ein kollektives Gefühl der Hilflosigkeit einstellt, in welcher sich die Bürger allein gelassen fühlen. Ich möchte Sie daher höflichst um Hilfe bitten, gemeinsam aufzuklären.

Dem NDR MV ist zu entnehmen, dass in der Werner-von-Siemens-Schule in Schwerin, mit einer ähnlichen Fallkonstellation, bereits am Freitag alle Personen getestet wurden.
Die dortigen Eltern, Kinder und Lehrer können vorerst aufatmen – alle getesteten Personen sind negativ bzgl. COVID-19. Ein gutes Signal!
Welches Signal können Sie mir für die Eltern, Kinder und Lehrer, sowie besorgten Bürger hier in Schönberg geben?
Warum konnte das Gesundheitsamt nicht analog der Schweriner Kollegen aufgrund der besonderen Lage ad hoc testen?

Bundesweit gibt es Proteste gegen Verordnungen und Reglementierungen. Einige Mitmenschen stellen den Virus selbst in Frage und bezeichnen COVID-19 als nicht real und politisch inszeniert. In Schwerin bietet sich unseren Bürgern ein Bild schneller und professioneller Herangehensweise. Warum wird in unserem Landkreis anders gehandelt?

Wir befinden uns seit einiger Zeit im Pandemiemodus. Nach Ferienende und weitestgehender Schulöffnung ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es derartige Fälle gibt.
Wir alle wünschen uns einen verlässlichen Schulalltag für unsere Kinder, schon allein deshalb sind zeitnahe und umfassende Tests notwendig.

Unverständlich ist mir auch warum die schriftliche Anfrage meines Stellvertreters und mir vom 2. März 2020 über das Amt Schönberger Land, wer wann mit welchen Informationen durch wen versorgt werden würde, bis heute unbeantwortet geblieben ist.

Sehr geehrte Frau Landrätin, ich bitte Sie meine geschilderten Erfahrungen zum Anlass zu nehmen, um zukünftig noch schneller und vor allem gemeinsam zum Wohle unserer Bürgerinnen und Bürger zu handeln.

Ich verbleibe mit besten Grüßen aus der Stadt Schönberg

Stephan Korn
Bürgermeister


Wappen der Stadt Schönberg